Hauseigentümer kämpft um Wegerecht

Korruption, oder Vetternwirtschaft????

Knapp 100 Meter vor seinem Haus muss Horst Gunkel das Auto abstellen und mit den Einkäufen oder gar schweren Kisten den Rest des Weges zu Fuß zurücklegen. Eine Weiterfahrt ist ihm untersagt, denn seit geraumer Zeit lautet die deutliche Warnung auf einem Schild: „Privatweg – Betreten auf eigene Gefahr“. Es klingt absurd: Eine Fahrspur des jahrzehntelang problemlos genutzten Weges befindet sich auf privatem und die andere auf öffentlichem Grund, dem sogenannten Seuchenweg. Nach einem neuerlichen Besitzerwechsel des privaten Wegeanteils wird dem 62-jährigen Lengenfelder nun die Durchfahrt vom jetzigen Eigentümer verwehrt.

Nach Darstellung von Horst Gunkel hätte die Gemeinde damals ihr Vorkaufsrecht an den Wegeanteilen in Anspruch nehmen und anschließend den gesamten Weg öffentlich widmen müssen. „Ich will niemandem etwas wegnehmen, sondern nur ungehindert zu meinem Grundstück kommen“, meint der enttäuschte Anwohner.

Dagegen hat auch der Besitzer des privaten Wegeanteils nichts. So habe man Herrn Gunkel eine Nutzungsvereinbarung zu einer äußerst moderaten Pauschale angeboten, auf die er jedoch nicht eingegangen sei, sagte Marco Lorenz. Erst nach der dritten Mahnung und einem abgeschlagenen Vergleich habe man den Weg gesperrt. Vorher hätte er für die Nutzung immer bezahlt.

Der strittige Fall liegt unter dem Aktenzeichen E-557/12 beim Petitionsausschuss des Thüringer Landtags. Nach dessen Auffassung bestünden derzeit keine Voraussetzungen für eine Widmung des Weges als öffentliche Straße der Gemeinde Südeichsfeld. „Die Gemeinde vermute, dass die Grundstückserben ebenso wie andere Nachbarn letztlich keine gewidmete Anliegerstraße in Kauf nehmen wollten, da sie nicht bereit seien, die zu erwartenden Erschließungskosten zu tragen“, schrieb Regierungsdirketor Ralf Burchardt Ende vorigen Jahres. Für die Gärten und angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen sei der Weg im jetzigen Zustand auskömmlich.

Die Gemeinde Lengenfeld unterm Stein sei schon seit Jahren bemüht, die Eigentumsfrage an dem Weg zu klären, hieß es bereits vor drei Jahren vom damaligen Bürgermeister Augustin Dienemann. So habe es mit den Voreigentümern des privaten Anteils des Weges Kaufverhandlungen gegeben, die aber gescheitert waren. Der jetzige Eigentümer könne jedoch nicht zum Verkauf gezwungen oder enteignet werden. „Vorbehaltlich der einvernehmlichen Verkaufsbereitschaft und der Bereitstellung der finanziellen Mittel für die Vermessung und Kauf der Fläche ist die Gemeinde auch weiterhin bestrebt, einen öffentlich-rechtlichen Weg herzustellen“, versicherte einst der Bürgermeister.

Jetziger Bürgermeister räumt Versäumnisse ein

Daran hat sich bis heute offenbar nichts geändert. Als jetziger Bürgermeister der Landgemeinde Südeichsfeld räumt Andreas Henning (CDU) allerdings gewisse Versäumnisse der damaligen Gemeindeverwaltung ein. Man hätte demnach intensiver auf ein verbrieftes Wegerecht und eine sogenannte Dienstbarkeit für Horst Gunkel drängen müssen.

So kämpft der Lengenfelder Senior nach wie vor erfolglos um ein Wegerecht zu seinem abgeschnittenen Haus in der Hauptstraße 113, das förmlich wie auf einer Insel liegt. Dies hat aber noch eine weitere und nicht weniger verzwickte Ursache. Denn die ursprüngliche Zufahrt erfolgte über den Hof des Grundstücks in der Hauptstraße 112. Hierzu existiert ein im Grundbuch eingetragenes Durchfahrtsrecht von 1917/18. Dieses wurde in den zurückliegenden Jahrzehnten aber nicht genutzt. Allenfalls als Fußweg. Aber mit einem Auto durch den ziemlich beengten Hof zu fahren, könne er der dort wohnenden Familie mit einem Kleinkind nicht zumuten, meint Horst Gunkel.

Das sieht die junge Familie ebenfalls so und kommt ihrem Nachbarn im Hinterhaus in der Form entgegen, indem sie ihm beispielsweise seine im Vorderhaus abgelieferte Post bringt. Den kleinen Hof mit Kinderspielplatz nun als Zufahrt für ein anderes Grundstück herzugeben, wäre zu viel verlangt. So können die jungen Leute das verzweifelte Ringen ihres Nachbarn um geordnete Verhältnisse durchaus verstehen.

„Für alle Beteiligten muss endlich Rechtssicherheit geschaffen werden“, fordert Horst Gunkel. Und von 1955 bis 1990 hätten beispielsweise Fahrzeuge der Bäuerlichen Handesgenossenschaft (BHG) den jetzt gesperrten Weg für die Anlieferung von Kohlen anstandslos nutzen können, bestätigte der ehemalige BHG-Chef.

Quelle: Thüringer Anzeiger

Mehr über den Fall Gunkel in den nächsten Tagen.

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